Nachhaltigkeitszertifizierung in der Hotellerie: Überblick

Modern hotel building with a glass and timber façade seen through palm foliage against a blue sky

Nachhaltigkeitszertifizierung in der Hotellerie: Der komplette Überblick

Wer „Hotel Zertifizierung Nachhaltigkeit“ sucht, landet meist bei einer von zwei Sachen: der Marketingseite eines einzelnen Zertifizierungsanbieters, oder einer Liste der „Top 8 Nachhaltigkeitssiegel für Hotels“. Beides beantwortet selten die eigentliche Frage.

Diese Frage lautet in der Regel: Was steckt tatsächlich hinter diesen Siegeln, wie viele davon spielen überhaupt eine Rolle – und welches, wenn überhaupt, passt zum eigenen Betrieb?

Eine einzige Antwort gibt es nicht, denn „Nachhaltigkeitszertifizierung“ in der Hotellerie ist kein einheitlicher Begriff. Dahinter stehen mindestens vier unterschiedliche Kategorien der Anerkennung – mit unterschiedlichen Prüfmethoden, unterschiedlichen Trägerorganisationen und unterschiedlicher Aussagekraft.

Dieser Beitrag ist HOLITRAs Überblick über diese Landschaft – was jede Kategorie tatsächlich bestätigt, wie Zertifizierungsberatung bei der Auswahl hilft, und wohin sich die Anforderungen 2026 entwickeln.

Verbreiteter Irrtum

„Ein Nachhaltigkeitssiegel bedeutet, dass ein Hotel unabhängig geprüft wurde.“

Nicht immer. Die Prüfmethoden unterscheiden sich erheblich – vom vollständigen Vor-Ort-Audit gegen veröffentlichte Kriterien bis zum selbst ausgefüllten Fragebogen, der nie mit dem Betrieb selbst abgeglichen wird.

Warum „Zertifizierung“ in der Hotellerie nicht dasselbe bedeutet

Die Zahl der Nachhaltigkeitssiegel, die Gästen, Buchungsplattformen, Firmenkunden und Destinationsorganisationen begegnen, ist rasant gewachsen – und damit auch der Druck, selbst eines vorweisen zu können. Booking.com meldet mittlerweile über 100 Millionen gebuchte Übernachtungen in zertifizierten Betrieben, die Zahl zertifizierter Partnerbetriebe stieg innerhalb eines Jahres um rund 22 %. Firmenkunden und MICE-Veranstalter fragen zunehmend nach einem Nachhaltigkeitsrating als Teil der Beschaffung. Und ab dem 27. September 2026 schränkt die EU-Richtlinie zur Stärkung der Verbraucher (EmpCo) ein, welche Nachhaltigkeitsaussagen Hotels gegenüber Gästen noch treffen dürfen, wenn diese nicht durch eine anerkannte Zertifizierung belegt sind – ein Thema, das HOLITRA im Beitrag zu EmpCo und Green Claims separat behandelt.

Gleichzeitig wurde die Zertifizierungslandschaft selbst strenger. Seit dem 1. Januar 2025 verlangte der Global Sustainable Tourism Council (GSTC) von Trägern eines „GSTC-anerkannten“ Standards eine formale Akkreditierung oder eine vertragliche Regelung mit GSTC als Zertifizierungsprogramm. Standards, deren Träger dies nicht umgesetzt haben, haben ihren GSTC-Anerkennungsstatus verloren – bestätigte Fälle sind Green Key und Travelife, beide zwischen 2016–2022 GSTC-anerkannt und seit 1. Januar 2025 nicht mehr anerkannt. Mit anderen Worten: Eine „GSTC-anerkannt“-Aussage auf der eigenen Website eines Programms ist nicht automatisch noch korrekt – sie muss gegen die aktuelle, von GSTC veröffentlichte Liste geprüft werden, nicht gegen die Marketingseite des Programms.

Das bedeutet nicht, dass Hotels jedem verfügbaren Siegel hinterherlaufen müssen. Es bedeutet, dass der Ausgangspunkt nicht „welches Zertifikat sollen wir holen“ sein sollte, sondern: Was muss über unseren Betrieb, unser Gebäude und unsere Lieferkette tatsächlich zutreffen – und welche Anerkennungskategorie belegt das glaubwürdig?

Nicht jedes Siegel wird gleich geprüft

Selbstauskunft / Selbstbewertung

  • Basiert auf einem intern ausgefüllten Fragebogen des Hotels oder der Muttergesellschaft
  • Nachweisdokumente werden von Analysten remote geprüft – kein verpflichtendes Vor-Ort-Audit des Betriebs
  • Bewertet meist das Managementsystem eines Unternehmens (Policies, Maßnahmen, Ergebnisse), nicht den Alltag eines einzelnen Betriebs
  • Ausgelegt für B2B-Beschaffung und Lieferketten-Screening (z. B. EcoVadis), nicht für gästeseitige Nachhaltigkeitsaussagen
  • Wird periodisch neu bewertet, der Betrieb selbst wird dabei kaum je besichtigt

Unabhängig extern geprüft

  • Erfordert ein Vor-Ort-Audit durch akkreditierte oder geschulte Prüfer
  • Nachweise werden direkt gegen einen veröffentlichten Kriterienkatalog geprüft
  • Zertifiziert den tatsächlichen Betrieb (bzw. bei Gebäudezertifizierungen das Gebäude selbst)
  • In der Regel GSTC-anerkannt, oder direkt gegen den GSTC Hotelstandard selbst zertifiziert – der Anerkennungsstatus hat sich zum 1. Januar 2025 jedoch deutlich verändert und muss gegen die aktuelle GSTC-Liste geprüft werden, nicht einfach angenommen
  • Erfordert regelmäßige Re-Audits, um gültig zu bleiben

Die vier Ebenen der Nachhaltigkeitszertifizierung in der Hotellerie

Bei HOLITRA ordnen wir die Zertifizierungslandschaft in vier Ebenen. Diese stehen nicht in Konkurrenz zueinander – sie beantworten unterschiedliche Fragen, und ein Hotel kann durchaus in mehreren Ebenen gleichzeitig anerkannt sein.

1. Hotel- und destinationsbezogene Nachhaltigkeitszertifizierung

Das ist gemeint, wenn die meisten Menschen von „Hotelzertifizierung Nachhaltigkeit“ sprechen: Programme, die unabhängig prüfen, wie ein Hotel und seine Organisation geführt werden – von Nachhaltigkeitsstrategie und Governance bis zu Energie- und Wassermanagement, Abfall, Beschaffung, Personalpraxis und gesellschaftlicher Wirkung. Das beschränkt sich nicht auf das Tagesgeschäft, auch wenn das der für Gäste sichtbarste Teil ist. Im Zentrum dieser Ebene steht der Global Sustainable Tourism Council (GSTC) – und zwar auf zwei unterschiedliche Arten, die oft vermischt werden. Erstens können GSTC-akkreditierte Zertifizierungsstellen (etwa Control Union) ein Hotel direkt gegen den GSTC Hotelstandard selbst auditieren – solche Betriebe erscheinen im offiziellen GSTC Certified Hotel Directory und sind, wörtlich, „GSTC-zertifiziert“. Zweitens „erkennt“ GSTC separat Standards Dritter als inhaltlich gleichwertig an – ein anderer, engerer Status namens „GSTC-Recognized“, der seit einer Regeländerung zum 1. Januar 2025 nicht mehr automatisch oder dauerhaft ist: Träger von Standards mussten bis Ende 2024 entweder eine formale Akkreditierung anstoßen oder eine dokumentierte Vereinbarung mit einer GSTC-akkreditierten Zertifizierungsstelle eingehen. Auf der aktuellen offiziellen GSTC-Liste bestätigt: das Österreichische Umweltzeichen (anerkannt seit 2018), GreenSign (seit 2022) und EarthCheck haben ihren GSTC-Anerkennungsstatus durch diese Überprüfung behalten. Bestätigt verloren zum 1. Januar 2025: Green Key und Travelife, weil ihre Träger die neu geforderte Akkreditierung nicht durchlaufen haben. Das EU Ecolabel fand sich auf der GSTC-eigenen Liste gar nicht – es operiert als eigenständiges, EU-reguliertes Siegel, nicht als GSTC-anerkannter Standard.

Eine weitere Unterscheidung lohnt sich, weil sie leicht vermischt wird: Recognition (Anerkennung) und Accreditation (Akkreditierung) sind nicht dasselbe. „GSTC-Recognized“ ist ein Status, den GSTC einem Standard verleiht – er bestätigt, dass dessen Inhalt den GSTC-Kriterien gleichwertig ist. Er sagt für sich genommen nichts darüber aus, ob die konkrete Organisation, die ein bestimmtes Hotel gegen diesen Standard zertifiziert, selbst „GSTC-akkreditiert“ ist – eine separate, intensivere Prüfung des Zertifizierungsprozesses und der Kompetenz und Neutralität der Zertifizierungsstelle. Ein Hotel kann ein Zertifikat nach einem GSTC-anerkannten Standard besitzen, das von einer Zertifizierungsstelle ausgestellt wurde, die selbst nicht GSTC-akkreditiert ist. Bei der Bewertung eines Zertifikats – des eigenen oder das eines Mitbewerbers – lohnt es sich, beide Fragen zu stellen, nicht nur eine.

2. Grüne Gebäudezertifizierung

LEED, DGNB und BREEAM zertifizieren das Gebäude selbst – seine Energieleistung, Materialien, Wassersysteme und Resilienz – unabhängig davon, wie es im Alltag betrieben wird. Das ist eine tatsächlich andere Frage als die Hotelzertifizierung, und sie ist für Hotels besonders relevant, weil ein großer Teil der erreichbaren Nachhaltigkeitsleistung bereits in Planung und Sanierung festgelegt wird. Ein Hotel kann eine hervorragende Hotelzertifizierung haben und trotzdem durch eine ineffiziente Gebäudehülle begrenzt sein – beide Ebenen ergänzen sich, ersetzen sich aber nicht. HOLITRA behandelt dieses Thema vertiefend im Beitrag Ein Hotel ist nur so nachhaltig wie sein Gebäude und wird einen eigenen Vergleich von LEED, DGNB und BREEAM für Hotelsanierungen veröffentlichen.

3. Unternehmens- und Lieferketten-Nachhaltigkeitsratings

EcoVadis ist das sichtbarste Beispiel. Es ist keine hotelspezifische Zertifizierung und prüft keinen Betrieb vor Ort. Es bewertet das Nachhaltigkeitsmanagementsystem eines Unternehmens – Policies, Maßnahmen, Ergebnisse („P-A-R“) – über einen Selbstbewertungsfragebogen und Nachweisdokumente, die von Analysten anhand von Rahmenwerken wie GRI, ISO 26000 und dem UN Global Compact geprüft werden. EcoVadis-Bewertungen werden zunehmend von Firmenreisemanagern und MICE-Kunden als Lieferanten-Screening verlangt – deshalb verfolgen Hotelgruppen mit diesen Zielgruppen das Rating häufig. Gegenüber Freizeitgästen sollte es jedoch nicht als gleichwertig zu einer unabhängig vor Ort geprüften, GSTC-anerkannten Hotelzertifizierung dargestellt werden, denn methodisch ist es das nicht.

4. Managementsystem-Normen

ISO 14001 (Umweltmanagementsysteme) und EMAS zertifizieren den Prozess, mit dem ein Hotel seine Umweltleistung steuert – auf derselben Plan-Do-Check-Act-Logik aufbauend, die auch kontinuierlicher Verbesserung insgesamt zugrunde liegt. Sie sind nicht touristikspezifisch und zertifizieren keine Nachhaltigkeitsergebnisse direkt – aber mehrere GSTC-anerkannte Programme, darunter GreenSign und TourCert, bauen explizit auf ISO-14001- und ISO-26000-Prinzipien auf. Für viele Hotels ist ein ISO-orientiertes Managementsystem das interne Rückgrat, das eine Hotelzertifizierung leichter erreichbar und erhaltbar macht.

Zertifizierungsprogramme für Hotels im Überblick

Dies ist keine vollständige Liste aller am Markt existierenden Siegel, sondern die für Hotels in Europa und im DACH-Raum relevante Auswahl. Der GSTC-Anerkennungsstatus hat sich zum 1. Januar 2025 wesentlich verändert und ist nicht statisch; die Spalte „GSTC-Status“ unten zeigt, was HOLITRA gegen die aktuelle, offizielle GSTC-Liste der anerkannten Standards bis Juli 2026 bestätigen konnte – wo eine Aussage nicht in die eine oder andere Richtung bestätigt werden konnte, wird das explizit so benannt statt angenommen. Recognition (Inhalt des Standards) und Accreditation (Prozess der Zertifizierungsstelle) sind zudem getrennte Fragen – siehe unten. Aktuellen Status vor einer Entscheidung immer direkt bei GSTC prüfen. HOLITRA wird die operativen Programme später in dieser Serie noch vertiefend vergleichen, ebenso LEED, DGNB und BREEAM in einem eigenen Beitrag.

Programm Was zertifiziert wird Prüfmethode GSTC-Status Typische Relevanz
GSTC Hotelstandard (Direktzertifizierung) Hotelbetrieb, direkt gegen die GSTC-Kriterien auditiert Vor-Ort-Audit durch eine GSTC-akkreditierte Zertifizierungsstelle  Ist GSTC selbst; gelistet im offiziellen GSTC Certified Hotel Directory (v4.0/4.01, Dez. 2025) Die direkteste „GSTC“-Aussage, die ein Hotel treffen kann
Österreichisches Umweltzeichen (Tourismus) Betrieb von Hotels/Beherbergung Vor-Ort-Audit; 59 Muss-Kriterien in 11 Themenbereichen Bestätigt GSTC-anerkannt (EL 200 v7.0, anerkannt seit Nov. 2018) – auf der aktuellen offiziellen GSTC-Liste, Status durch die Überprüfung 2025 behalten Stark in Österreich/DACH; 4 Jahre gültig
Green Key Betrieb von Hotels/Beherbergung Vor-Ort-Audit GSTC-anerkannt 2016–2024; seit 1. Januar 2025 nicht mehr GSTC-anerkannt (Träger hat keine formale Akkreditierung durchlaufen) 3.200+ Betriebe in 60 Ländern; Kriterien-Update geplant für Okt. 2026
EarthCheck Betrieb von Hotels und Destinationen Vor-Ort-Audit und Benchmarking Bestätigt GSTC-anerkannt (Company Standard, anerkannt seit 2012) – Status durch die Überprüfung 2025 behalten Aktiv seit 1987; 70+ Länder
TourCert Betrieb von Hotels und Reiseveranstaltern Vor-Ort-Audit; aufbauend auf ISO/EMAS/ISO 26000 Der Destinationsstandard verlor den GSTC-Anerkennungsstatus explizit am 1. Januar 2025; Status des separaten Beherbergungs-/Hotelstandards nach 2025 nicht in die eine oder andere Richtung bestätigt – direkt prüfen Aktiv im DACH-Raum; begleitet regionale Labels (z. B. Südtirol)
GreenSign Betrieb von Hotels Vor-Ort-Audit; 130+ Kriterien in 10 Bereichen Bestätigt GSTC-anerkannt seit Juni 2022 – auf der aktuellen offiziellen GSTC-Liste, Status durch die Überprüfung 2025 behalten Führend im DACH-Raum/Europa: 750+ Hotels, 18 Länder
EU Ecolabel Betrieb von Hotels/Beherbergung Prüfung durch nationale zuständige Stellen In den geprüften Quellen nicht als formal GSTC-anerkannter Standard belegt; operiert als eigenständiges, EU-reguliertes Siegel Offizielles EU-Siegel; starke regulatorische Stellung
Travelife (Beherbergung) Betrieb von Hotels Vor-Ort-Audit GSTC-anerkannt 2022–2024; seit 1. Januar 2025 nicht mehr GSTC-anerkannt (Träger hat keine formale Akkreditierung durchlaufen) Stark über Reiseveranstalter-Vertrieb
Nachhaltigkeitslabel Südtirol (Stufe 1–3) Regionaler Hotel-/Destinationsbetrieb Stufe 1–2: Dokumentation; Stufe 3: vollständiges externes Audit Konzipiert nach GSTC-Kriterien (Stufe 3 als GSTC-gleichwertig gedacht) Regionales DACH-Label (Südtirol); stufenweiser Einstieg
LEED / DGNB / BREEAM Das Gebäude selbst, nicht der Betrieb Unabhängige externe Bewertung Keine GSTC-Programme; eigene Gebäudezertifizierungsstellen Neubau/größere Sanierung; ergänzt Betriebszertifizierung
EcoVadis Unternehmensweites Nachhaltigkeitsmanagement, kein einzelner Betrieb Selbstbewertungsfragebogen + Dokumentenprüfung, kein verpflichtendes Vor-Ort-Audit Nicht GSTC-anerkannt; nicht touristikspezifisch Von Firmen-/MICE-Kunden für Lieferanten-Screening verlangt
ISO 14001 (UMS) Der Managementprozess, nicht direkt die Ergebnisse Audit durch unabhängige Zertifizierungsstelle Nicht touristikspezifisch; oft Rückgrat von GreenSign, TourCert Branchenübergreifende UMS-Norm (PDCA-basiert)

Zwei Fragen vor der Wahl eines Programms

Glaubwürdigkeitsfrage

  • Wird dieses Programm unabhängig vor Ort geprüft – oder ist es eine Selbstauskunft?
  • Ist die GSTC-Anerkennung aktuell – geprüft gegen die von GSTC selbst veröffentlichte Liste, nicht gegen die Marketingseite des Programms? Mehrere zuvor „GSTC-anerkannte“ Programme, darunter Green Key und Travelife, verloren diesen Status am 1. Januar 2025.
  • Veröffentlicht die Zertifizierungsstelle die Kriterien, gegen die geprüft wird?
  • Wie oft erfolgt ein Re-Audit?

Passungsfrage

  • Passt dieses Programm zu unserer Gästestruktur, unserem Markt und unserer Destination?
  • Verlangen Firmen- oder MICE-Kunden zusätzlich ein bestimmtes Rating (z. B. EcoVadis)?
  • Brauchen wir neben der Hotelzertifizierung auch eine Gebäudezertifizierung, oder nur eine von beiden?
  • Welche Ressourcen – Zeit, Budget, Dokumentationskapazität – erfordert das Audit realistisch?

Ein Praxisbeispiel: ein stufenweiser Weg zur vollen Anerkennung

Das Nachhaltigkeitslabel Südtirol veranschaulicht einen Punkt, der leicht übersehen wird, wenn Zertifizierung als reine Ja/Nein-Entscheidung betrachtet wird: Ein Hotel muss nicht auf der anspruchsvollsten Stufe beginnen.

Das Label ist in drei aufeinander aufbauenden Stufen strukturiert, konzipiert nach GSTC-Kriterien. Stufe 1 und 2 fokussieren auf dokumentiertes Engagement und messbaren Fortschritt. Stufe 3 verlangt ein vollständiges unabhängiges Audit und eine umfassende CO2-Bilanzierung und ist als die vollständige, international vergleichbare Stufe gedacht – wie bei jedem regional begleiteten Label lohnt es sich aber, den aktuellen formalen GSTC-Status direkt zu bestätigen, statt ihn aus dem eigenen Material des Labels zu übernehmen.

Für ein Hotel mit begrenzten internen Kapazitäten ist eine solche stufenweise Struktur – zunächst das interne System aufbauen, formalisieren und dokumentieren, dann dem unabhängigen Audit unterziehen – oft realistischer als der direkte Versuch eines anspruchsvollen internationalen Programms in einem Schritt. Diese Logik gilt auch dort, wo kein formales Stufenlabel existiert: Zertifizierungsvorbereitung kann derselben Reihenfolge folgen.

Warum diese Unterscheidung besonders für kleinere und familiengeführte Hotels zählt

In vielen inhabergeführten und familiengeführten Hotels existiert ein großer Teil dessen, was ein GSTC-anerkanntes Programm verlangt, bereits in der Praxis: langjährige Lieferantenbeziehungen, sorgsamer Ressourceneinsatz, genaue Kenntnis von Gebäude und Team. Was oft fehlt, ist nicht die Praxis selbst, sondern die Dokumentation und unabhängige Prüfung, die aus einer bestehenden Praxis eine zertifizierbare macht.

Genau hier wird die Vier-Ebenen-Unterscheidung nützlich. Ein kleines Hotel, das EcoVadis in Betracht zieht, „weil alle davon sprechen“, löst möglicherweise das falsche Problem. Gäste können ein EcoVadis-Abzeichen durchaus sehen und als Nachhaltigkeitssignal lesen – die Frage ist nicht die Sichtbarkeit, sondern der Inhalt: EcoVadis bewertet das lieferkettenseitige Managementsystem eines Unternehmens per Fragebogen, nicht den Betrieb eines konkreten Hauses per unabhängigem Audit. Zertifizierungsentscheidungen dienen zudem selten nur einer Zielgruppe: Gäste, Firmenkunden, Investoren und Destinationsorganisationen schauen oft auf dasselbe Zertifikat, aber aus unterschiedlichen Gründen – genau deshalb zählt mehr, was ein Zertifikat tatsächlich bestätigt, als wer es wahrscheinlich sieht. Umgekehrt bleibt eine tatsächlich starke operative Praxis, die nie unabhängig geprüft wurde, für Gäste, Buchungsplattformen und Destinationsorganisationen unsichtbar – so gut sie in Wirklichkeit auch sein mag.

Zertifizierung als Teil eines Systems, nicht als isoliertes Siegel

Isoliert getroffene Zertifizierungsentscheidungen erzeugen oft Lücken an anderer Stelle. Ein Hotel, das eine Betriebszertifizierung anstrebt, ohne zuvor die Gebäudeleistung zu bewerten, stellt möglicherweise fest, dass bauliche Einschränkungen begrenzen, wie weit operative Maßnahmen allein den Zertifizierungsstand tragen können. Ein Hotel, das zertifiziert, ohne zuvor eine Berichtsstruktur aufzubauen, sammelt dieselben Nachhaltigkeitsdaten oft doppelt – einmal fürs Audit, einmal für die Konzernberichterstattung. Und ein Hotel, das ein Programm reaktiv wählt – weil ein Mitbewerber eines hat oder ein Kunde danach fragt –, ohne dass eine Nachhaltigkeitsstrategie dahintersteht, hat keine Grundlage für die Frage, was nach der Zertifikatsvergabe als Nächstes kommt.

Häufig gestellte Fragen

FAQs: Nachhaltigkeitszertifizierung in der Hotellerie

Nachhaltigkeitszertifizierung in der Hotellerie ist die unabhängige Bestätigung, anhand veröffentlichter Kriterien, dass die Organisation eines Hotels, sein Gebäude oder seine weitere Lieferkette einen definierten Nachhaltigkeitsstandard erfüllt. Diese Bestätigung kann aus einem Vor-Ort-Audit stammen (Hotel- und Gebäudezertifizierung) oder aus einer dokumentenbasierten Bewertung (Unternehmensratings wie EcoVadis) – beides ist nicht gleichwertig austauschbar.

GSTC ist für Hotels auf zwei unterschiedliche Arten direkt als Zertifizierung erhältlich. Erstens kann ein Hotel direkt gegen den GSTC Hotelstandard von einer GSTC-akkreditierten Zertifizierungsstelle (z. B. Control Union) auditiert werden und im offiziellen GSTC Certified Hotel Directory erscheinen – das ist die direkteste verfügbare „GSTC“-Aussage. Zweitens kann sich ein Hotel gegen einen „GSTC-anerkannten“ Standard eines Dritten zertifizieren – ein Programm, das einer anderen Organisation gehört und von GSTC als kriterienkonform bestätigt wurde. Dieser zweite Status ist nicht dauerhaft: Seit einer Regeländerung zum 1. Januar 2025 haben mehrere zuvor GSTC-anerkannte Programme (darunter Green Key und Travelife) diesen Status verloren, weil ihre Träger die neu geforderte formale Akkreditierung nicht durchlaufen haben. Der aktuelle Anerkennungsstatus sollte immer gegen die von GSTC selbst veröffentlichte Liste geprüft werden.

GSTC „Recognized“ und GSTC „Accredited“ sind zwei getrennte Status für zwei getrennte Prozesse. „GSTC-Recognized“ ist ein Status, der einem Standard verliehen wird und bestätigt, dass dessen veröffentlichte Kriterien den GSTC-Kriterien gleichwertig sind. „GSTC-Accredited“ ist ein Status, der einer Zertifizierungsstelle verliehen wird (der Organisation, die die Audits tatsächlich durchführt), und bestätigt, dass ihr Zertifizierungsprozess die GSTC-Anforderungen an Kompetenz und Neutralität erfüllt. Das Zertifikat eines Hotels kann nach einem GSTC-anerkannten Standard von einer Zertifizierungsstelle ausgestellt sein, die selbst nicht GSTC-akkreditiert ist – es lohnt sich, beides zu prüfen, nicht nur eines.

Ein Hotel kann den aktuellen GSTC-Anerkennungsstatus gegen die von GSTC selbst veröffentlichte Liste der anerkannten Standards prüfen – nicht gegen das Marketingmaterial eines Programms oder ältere Presseberichte. Das ist wichtig, weil Anerkennung nicht dauerhaft ist: Seit einer Regeländerung zum 1. Januar 2025 haben mehrere zuvor anerkannte Programme diesen Status verloren, weil ihre Träger die neu geforderte formale Akkreditierung nicht durchlaufen haben, während andere ihn behalten haben. Auch eine Zertifizierungsberatung kann den aktuellen Status im Rahmen einer Reifegrad-Bewertung verifizieren.

Hotelzertifizierung prüft, über GSTC-anerkannte Programme, wie die Organisation eines Hotels geführt wird – Strategie, Governance und gesellschaftliche Wirkung ebenso wie das Tagesgeschäft wie Energie, Wasser, Abfall und Beschaffung. Grüne Gebäudezertifizierung (LEED, DGNB, BREEAM) prüft die Leistung des Gebäudes selbst, unabhängig davon, wie es geführt wird. Beides ist für die Gesamt-Nachhaltigkeitsleistung eines Hotels relevant, beantwortet aber unterschiedliche Fragen und wird meist zu unterschiedlichen Zeitpunkten verfolgt – Gebäudezertifizierung am naheliegendsten bei Neubau oder größerer Sanierung.

Unternehmens- und Lieferketten-Ratings zählen nicht im selben Sinn zur Nachhaltigkeitszertifizierung für Hotels wie GSTC-anerkannte Programme. EcoVadis ist in der Hotellerie das sichtbarste Beispiel, aber dieselbe Unterscheidung gilt für vergleichbare Ratings: Sie bewerten das gesamte Nachhaltigkeitsmanagementsystem eines Unternehmens über einen Selbstbewertungsfragebogen und Nachweisdokumente, statt ein unabhängiges Vor-Ort-Audit eines bestimmten Betriebs. Solche Ratings werden häufig von Firmen- und MICE-Kunden zum Lieferanten-Screening verlangt, sollten Freizeitgästen gegenüber aber nicht als gleichwertig zu einer unabhängig vor Ort geprüften Hotelzertifizierung dargestellt werden.

Ein Hotel sollte die Wahl der Zertifizierung an der Passung ausrichten, nicht an der Bekanntheit: die Gäste- und Marktstruktur des Betriebs, ob Firmen- oder MICE-Kunden ein bestimmtes Rating verlangen, und ob neben der eigenen Organisation und dem Betrieb auch die Gebäudeleistung adressiert werden muss. Eine strukturierte Zertifizierungsreife-Bewertung beantwortet das in der Regel schneller als der direkte Vergleich von Programmwebsites.

Die bessere Frage: nicht „welches Siegel“, sondern „geprüft von wem“

Hotels fragen oft, welche Zertifizierung „die beste“ ist. Diese Frage hat selten eine einzige Antwort, da sie von Gästestruktur, Destination, Eigentümerstruktur und davon abhängt, was ein Hotel eigentlich belegen will – und gegenüber wem.

Die nützlichere Frage lautet: Wer hat das geprüft, wie, und wie aktuell ist das? Ein Siegel, das auf einem unabhängigen Vor-Ort-Audit gegen veröffentlichte Kriterien beruht, hat ein anderes Gewicht als eines, das auf einem internen Fragebogen beruht – und zunehmend spiegelt auch die Regulierung diesen Unterschied wider.

Nachhaltige Hotellerie wird nicht dadurch definiert, welches Zertifikat im Footer der Website erscheint. Sie wird dadurch definiert, ob dieses Zertifikat noch eine zutreffende, aktuelle und überprüfbare Beschreibung dessen ist, wie das Hotel tatsächlich arbeitet.

Zertifizierung in Vorbereitung oder Überprüfung der Nachhaltigkeitsstrategie?

HOLITRA bleibt zertifizierungsunabhängig und unterstützt Hotels dabei, den Zertifizierungsansatz zu wählen, vorzubereiten und zu erhalten, der tatsächlich zu Markt, Gebäude und Organisation passt – von der Reifegradbewertung über das Audit hinaus. Sprechen Sie uns gerne an.

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